Corporate Learning 2020:
Trends der betrieblichen Weiterbildung

Digitales Lernen – Vorteile neuer Lernmethoden

22.07.2015

Neue Lernmethoden machen es möglich: Sie sind individuell auf Lernende abgestimmt und versprechen zusätzlich Effizienz und Flexibilität. Dabei spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Lesen Sie, welche Vorteile sich daraus für Ihre betriebliche Weiterbildung ergeben.

Die Möglichkeiten digitaler Medien führen zu einem Umdenken in der Personalentwicklung. Der Grund: Laptop, Tablet und Smartphone bestimmen die Arbeitswelt mehr denn je. Dadurch verändert sich auch das Lernen und neue Wege der Wissensvermittlung eröffnen sich. Was früher starr an einem Ort stattgefunden hat, ist heute von überall aus möglich – mobil eben. Für die betriebliche Weiterbildung bedeutet das, sich darauf einzulassen und sich die Vorteile zunutze zu machen. Viele Unternehmen machen es bereits vor – sie greifen auf die umfangreichen Möglichkeiten digitalen Lernens zurück.

„Digitales Lernen erlaubt es in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Vielfalt und unternehmerischer Differenzierung, die Inhalte, Wege und Methoden einer Weiterbildung auf die Bedürfnisse des Einzelnen zuzuschneiden“, heißt es in der Studie „Digitales Lernen adaptiv“, die vom MMB-Institut im Auftrag von Bertelsmann durchgeführt wurde. Adaptive Lernsysteme sollen die Lernbedürfnisse und Lernstile der Lernenden berücksichtigen und somit die Fähigkeiten von menschlichen Tutoren nachahmen.[1] Mit ihnen kann ein Lernender beispielsweise für ihn schwierige Passagen in einem Lernvideo mehrfach ansehen. Ebenso bietet ein solches Lernprogramm bei Verständnisproblemen leichtere Aufgaben, Erläuterungen und Hilfestellungen an.

Die Vorteile digitalen Lernens im Überblick:

  • Adaptive Lernsysteme ermöglichen eine individuelle Anpassung für verschiedene Lerntypen. Ob jemand viel oder wenig lernt, lieber zwischendurch oder unterwegs, zu Hause auf dem Sofa oder doch im Büro: Die digitalen Angebote berücksichtigen die Präferenzen eines jeden Lernenden.
  • Effektivität und Flexibilität sind sehr wichtige Aspekte für viele Unternehmen, aber auch für die Lernenden selbst. Digitales Lernen ermöglicht zum einen räumliche und zeitliche Flexibilität. Zum anderen sorgt es für geringere Kosten, denn die Notwendigkeit zugegen zu sein und eventuelle Reisekosten entfallen.

Für betriebliches Lernen im Unternehmen liegen dem MMB-Institut zufolge vor allem Angebote für Blended Learning im Trend. Dabei geht es um klassische Präsenzveranstaltungen, die mit E-Learning-Einheiten kombiniert werden. Während der Präsenzveranstaltungen können Teilnehmer sowohl offene Fragen klären als auch Praktisches zusätzlich erarbeiten. Der Lernende profitiert dabei von den unterschiedlichen Lernmethoden, die einen optimalen Wissenstransfer gewährleisten.

Ebenso wichtig im Zusammenhang mit digitalem Lernen ist das Cloud Computing. Wie in anderen Bereichen der Personalarbeit gewinnt es auch in der Personalentwicklung an Bedeutung. Die schlichte Installation einer Lernsoftware auf dem eigenen Server scheint passé – die Entwicklung geht klar hin zur Nutzung externer Anbieter. Schließlich gewährleisten diese die Aktualität der Software und den Zugriff von unterwegs via Internet: eine gute Lösung, wenn man auf Mobilität und Flexibilität beim Lernen über Tablet und Smartphone setzt.

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[1] Dies geschieht vereinfacht beschrieben folgendermaßen:

  • Der Lernende bearbeitet einen Lerninhalt.

  • Das Lernsystem misst definierte Handlungen des Lernenden, z. B. Tastaturtracking, Bearbeitungszeit, Anzahl richtiger bzw. falscher Testantworten.

  • Das Lernsystem kann dem Lernenden ggf. auch direkt Fragen stellen und auswerten, z. B. nach dem empfundenen Schwierigkeitsgrad.

  • Nun interpretiert das System die Handlungen, Reaktionen und Antworten des Lernenden. Es kann auch Vergleiche mit anderen Lernenden durchführen und den Lernenden einem bestimmten Lerntyp zuordnen.

  • Auf Basis dieser Analyse und Interpretation wird nun automatisch ein bestimmter Lerninhalt ausgewählt oder eine bestimmte Funktion des Learning Management System (LMS), z. B. der Zugang zu einem Forum, aktiviert.


Sven Lechtleitner

Über den Autor:

Dozent für Personalmanagement an der Europäischen Medien- und Business-Akademie (EMBA)
Mitautor des Lehrbuchs "geprüfte Personalfachkaufleute"
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