Corporate Learning Blog:
Trends der betrieblichen Weiterbildung

Trendstudie: Vernetztes Lernen – ein Mehrwert für Unternehmen

11.05.2015

Ob Fachkräftemangel, Globalisierung oder technologischer Fortschritt: Viele Ursachen führen aktuell zu einem Wandel der Weiterbildung. Eine neue Studie prognostiziert nun vernetztes Lernen als Schlüssel zum Erfolg. Was genau dahintersteckt, erfahren Sie hier.

„Vernetzte Weiterbildung versteht sich als sowohl abteilungs- wie auch unternehmens- und schließlich branchenübergreifende betriebliche Weiterbildung“, so beschreibt es das Institut of Corporate Education e. V. (Incore). In einer aktuellen Studie hat sich Incore näher mit dem Thema beschäftigt. Das Ergebnis: Die Weiterbildung befindet sich im Umbruch. Und: Vernetztes Denken und Lernen rückt auf die Agenden deutscher Konzerne. Doch in Großunternehmen stehe bekanntlich vieles auf der Agenda – und das oft für lange Zeit, räumen die Autoren der Studie ein. Dennoch bringe vernetztes Denken großes Potenzial mit sich. Neun von zehn der befragten Top-Entscheider sehen darin eine große Bedeutung für den langfristigen Unternehmenserfolg. Jeder Zweite hält vernetztes Denken dabei für einen wesentlichen Schlüsselfaktor. Den Studienautoren zufolge verlangen die dramatischen Umbrüche durch globale Märkte und die Verschiebung von Wertschöpfung der Industrie hin zu Partnern und Zulieferern nach neuen Arbeitsweisen und Lösungswegen.

Personalentwicklungsmaßnahmen koppeln und intern vernetzen

Mit vernetztem Lernen befasst sich auch Dr. Friederike Höher. Als Senior Coach (DBVC) und Supervisorin (DGSv) hat sie das Thema, vor allem in Bezug auf Mentoring, im Rahmen ihrer Dissertation „Vernetztes Lernen im Mentoring“ näher untersucht. Ihre Ergebnisse belegen: Teilnehmer können die Erfolge ihrer Entwicklungsmaßnahme mit anderen Weiterbildungen und mit verschiedensten Lernsituationen, ob formeller oder informeller Art, biografisch verknüpfen. Nachhaltiger Lernerfolg ist ihrer Untersuchung nach nicht zwingend auf eine Einzelmaßnahme zurückzuführen. Eine größere Rolle spielen vielmehr erfolgreiche Lernprozesse über einen längeren Zeitraum hinweg. „Das sollte die Augen dafür öffnen, PE-Maßnahmen von vornherein als vernetztes Angebot zu planen. Unternehmen sollten überlegen, wie sie eine Maßnahme, z. B. ein Training, mit einer anderen Intervention wie Coaching, Mentoring, kollegiale Beratungen oder Lernplattformen verknüpfen können. Es reicht nicht aus, alle Führungskräfte beispielsweise zum Thema ‚Gesundheitsorientiertes Führen‘ in eintägigen Workshops zu trainieren, wenn dieser Ansatz nicht weiter im System verstetigt wird“, findet Höher.

Demnach ist im Bereich der Personalentwicklung insbesondere Transparenz notwendig, um aus Wissensinseln einen innerbetrieblichen Wissensfluss zu schaffen. So sollten Mitarbeiter beispielsweise passende Aufbaukurse zu ihrer Weiterbildungsmaßnahmen finden und in Anspruch nehmen können. Bereichsübergreifende Themen sollten allen Kollegen transparent zugänglich sein.

Investitionen für Weiterbildungsprogramme einplanen

Als neuen Weg der Zukunftssicherung haben viele Unternehmen vernetztes Denken und Lernen daher schon erkannt: Insgesamt 64 Prozent der von Incore befragten Top-Manager initiieren bereits konkrete Maßnahmen, um es gezielt zu fördern. Abteilungsübergreifende Trainings führen aktuell schon 85 Prozent der Unternehmen durch. Allerdings sehen sich die meisten Entscheider erst am Anfang eines langfristigen Wandels: Nur die wenigsten sind davon überzeugt, dass vernetztes Denken mit den bisherigen Maßnahmen schon ausreichend gefördert wird. Und: Die große Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren viele Branchen diesbezüglich grundlegend verändern werden. Als Gründe dafür geben sie technische Innovationen, branchenübergreifende Kooperationen oder gesellschaftliche und ökologische Veränderungen an. Darüber hinaus sehen die meisten einen steigenden Investitionsbedarf für Weiterbildungsprogramme und Schulungen für unternehmens- und branchenübergreifendes Denken.

Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

  • 64 Prozent initiieren bereits Maßnahmen für vernetztes Denken und Lernen,
  • 85 Prozent führen abteilungsübergreifende Trainings durch,
  • 80 Prozent erwarten fundamentale Umbrüche in der Struktur vieler Branchen.

Vernetztes Denken und Lernen fördern

Die Studienautoren sind sich sicher: Wenn Unternehmen den zukünftigen Entwicklungen der kommenden Jahre erfolgreich begegnen wollen, ist eine aktive und zielgerichtete Veränderung der Weiterbildungssysteme notwendig. Den Schlüssel dafür bilde unter anderem eine systematische Förderung vernetzten und offenen Denkens und Lernens innerhalb der gesamten Organisation. Zukünftig werden diejenigen Unternehmen erfolgreicher sein, in denen Mitarbeiter jeder Hierarchiestufe nicht nur zusammenarbeiten, sondern auch zusammen trainieren. „Nur mit dem aus diesem vernetzten Training erwachsenden gemeinsamen Verständnis, Sprachgebrauch und den daraus resultierenden Synergien lassen sich sowohl die Markt- und Strukturbrüche als auch die umwälzenden Veränderungen der Zukunft zeitnah und reibungsarm bewältigen“, heißt es weiter.

Weiterbildungsnetzwerke nutzen

„Der Ansatz des vernetzten Lernens lädt in jedem Fall dazu ein“, so Höher, „über den Tellerrand zu schauen und die Erfahrungen anderer Bereiche, auch aus anderen Unternehmen, einzubeziehen, um von dort Impulse zu erhalten. Die PE sollte daher in jedem Fall prüfen, wie unter Nutzung vielfältiger, auch außerhalb des eigenen Systems liegender Ressourcen Lernprozesse einer identifizierten Zielgruppe durch unterschiedlichste Interventionen getriggert werden können.“ Auch für KMUs und Kleinstunternehmen ohne eigene PE-Abteilung dürfe das unternehmensübergreifende vernetzte Lernen sowieso der Ansatz der Wahl sein. Ein Engagement in regionalen Netzwerken für Kompetenzentwicklung, beispielsweise in Austauschkreisen der IHK, Landesinitiativen oder Unternehmensverbänden, über die eine Vernetzung mit Weiterbildungsträgern und anderen relevanten Akteuren möglich ist, biete sich an.

Status quo interner Vernetzung – leichter gesagt als getan?

Wer den Aufwand kennt, den bereits das alltägliche Weiterbildungsmanagement mit sich bringt, weiß, dass Vernetzung in vielen Unternehmen noch eher eine Wunschvorstellung ist. Ein Grund dafür: Oftmals fehlen im Unternehmen die entsprechenden Technologien, um die notwendige Transparenz im Angebot und Effizienz im Prozess zu schaffen. Unabhängig von der Unternehmensgröße wird gerade das Weiterbildungsmanagement oft noch manuell oder per Intranet betrieben. Dabei verschenken Unternehmen viel Potenzial. Um Abhilfe zu schaffen, ist es unerlässlich, bestehende Prozesse zu überdenken und zu überprüfen. Mithilfe von nützlichen Tools für die Personalentwicklung können Abläufe der Personalentwicklung durchaus vereinfacht werden.


Sven Lechtleitner

Über den Autor:

Dozent für Personalmanagement an der Europäischen Medien- und Business-Akademie (EMBA)
Mitautor des Lehrbuchs "geprüfte Personalfachkaufleute"
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